Cyberhölle: 2010 gab es laut Statistik des Innenministeriums so viele Straftaten im Internet wie nie zuvor

 

Betrug, Diebstahl, Mobbing: Die virtuelle Welt steckt voller Gefahren, Wir sagen, wie Sie sich im Netz vor Kriminellen schützen und sicher surfen

 

Gefahr 1. Online-Bankraub

 

Die Situation: Sie wickeln all Ihre Bankgeschäfte bequem über den heimischen PC ab.

Die Gefahr: Internet-Kriminelle spähen über Spionage-Software oder gefälschte Bankseiten Ihre Bankdaten und Passwörter aus („Phishing") und transferieren Geld von Ihrem Bankkonto.

So sichern Sie sich ab: Machen Sie kein Online-Banking an öffent­lichen PCs, sie könnten infiziert sein. Tippen Sie die Bankadresse immer eigenhändig ins Browserfenster, statt einem Link zu folgen, und ge­ben Sie auf E-Mail-Anfragen nie­mals Ihre Bankdaten preis. Sicherer als das alte TAN-Verfahren sind z. B. mobile TALAS (mTANS), die per SMS aufs Handy gehen. Lassen Sie Ihr Mobiltelefon dann ebenso­wenig unbeaufsichtigt wie Ihre EC­Karte. Installieren Sie auf Ihrem PC ein Virenschutzprogramm (z. B. „Antivir", gratis über chip.de), und aktualisieren Sie regelmäßig Ihr Betriebssystem, statt Updates genervt wegzuklicken. Wer ohne Virenscanner online geht, hat im Betrugsfall Pech: Die Bank haftet dann nicht. Verwenden Sie im In­ternet keine Passwörter, die leicht zu knacken sind (z. B. Vornamen). Und: Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge. Mehr Infos: www.bsi-fuer-buerger.de

 

Gefahr 2:

 

Abo-Falle im Internet

Die Situation: Sie suchen kosten­lose Infos zu günstigen Reisen und stoßen auf eine Seite, die tolle Tipps verspricht. Doch bevor Sie genaue Infos kriegen, will man Ihre E-Mail- und Postadresse. Und dass Sie die AGBs per Klick abnicken. Die Gefahr. In den AGBs sind oft leicht zu überlesende Hinweise auf kostenpflichtige Abos versteckt. Plötzlich liegt dann die Rechnung eines Inkassobüros im Briefkasten. „Auch bei Partnerbörsen nimmt diese Praxis zu", so Verbraucher­schutzexpertin Michaela Zinke.

So sichern Sie sich ab: Finger weg von Adresseingaben, echte Gratisdienste brauchen solche Daten nicht. Auch wenn's lästig ist: Checken Sie die AGBs genau auf Gebühren. Die Zahlen sind häufig ausgeschrieben, damit sie übersehen werden. Kommt eine Rechnung, warten Sie ruhig auf den gerichtlichen Mahnbescheid und legen auf dem Formular inner­halb von 14 Tagen Widerspruch ein. Viele Firmen geben dann auf, denn das Recht ist auf Ihrer Seite: Kosten dürfen nicht in den AGBs versteckt werden. Mehr Infos gibt es unter klicksafe.de

 

Gefahr 3: Schnäppchen-Betrug

 

Die Situation: Sie entdecken on­line bei einer Sofort-Kauf-Auktion einen unglaublich günstigen Fern­seher. Sie bestellen begeistert, der Händler besteht freundlich, aber bestimmt auf Vorkasse, Sie zahlen. Die Gefahr: Hinter diesem Billig-Angebot könnte eine Scheinfirma stecken, und die Ware wird trotz Vorkasse leider nie geliefert.

So sichern Sie sich ab: Sobald etwas im Internet deutlich preis­werter angeboten wird als üblich: Googeln Sie immer VOR dem Kauf den Namen des Anbieters mit Stichworten wie „Betrug", und checken Sie, ob andere User bereits übers Ohr gehauen wurden. Be­zahlen Sie im Internet bei unbe­kannten Firmen auf Rechnung oder mit Diensten wie PayPal, denn bei Vorkasse können Sie kein Geld zurückbuchen! Ziehen Sie bei Bestellungen bekannte Firmen den „Superbillig"-Anbietern vor.

 

Gefahr 4: Liebes-Hochstapler

 

Die Situation: Sie finden auf einer Partnerbörse Ihren Traummann, mailen ihm und verlieben sich. Die Gefahr: Er behauptet, in ei­ner „unverschuldeten finanziellen Notlage" zu sein, will Sie aber un­bedingt treffSo sichern Sie sich ab: Egal, wie plausibel die Story klingt: Vorsicht bei Finanztransaktionen über Western Union: Ihr Geld wird am Zielort abgeholt und ist weg. Misstrauisch sollten Sie auch werden, wenn ein Freund Sie per E-Mail bittet, Geld ins Ausland zu schicken, aber angeblich nicht telefonieren kann: Betrüger haben seinen Mail-Account gekapert.en und bittet Sie, für die Reise via Western Union Geld ins Ausland zu schicken, als „kurz­fristiges Darlehen!".

 

Gefahr 5: Identitäts-Raub

 

Die Situation: Sie bekommen Rechnungen für Dinge, die Sie nie im Internet bestellt haben. Die Gefahr: Kriminelle kom­men leicht an Namen und Adres­sen. Sie nutzen diese Daten und ordern damit Waren im Internet und fangen sie dann vor Ihrem Haus oder über eine Packstation ab. Die Firma denkt leider, Sie haben die Produkte bestellt. So sichern Sie sich ab: Erstatten Sie sofort Anzeige gegen unbe­kannt. Erklären Sie der Firma, die Forderungen an Sie stellt, schriftlich (!), dass Sie nie etwas bestellt haben, und legen Sie eine Kopie der Anzeige bei. Weitere Informationen unter tina-groll.de, Rubrik: „Identitätsdiebstahl".

 

Gefahr 6: Internet-Mobbing

 

Die Situation: Sie haben ein Netzwerk mit vielen Kontakten. Die Gefahr: Ein Ex-Cover oder eine Neiderin beleidigt Sie online, verbreitet in Foren kompromittie­rende Gerüchte oder postet ohne Ihr Okay private Fotos von Ihnen und versieht diese auch noch mit bösartigen Kommentaren.

So sichern Sie sich ab: „Legen Sie über die Privatsphären-Ein­stellungen fest, wer Zugang zu Ihren persönlichen Infos hat", rät der Sicherheitsexperte Martin Müsgens. „Prüfen Sie generell ge­nau, welche Freundschaftsanfra­gen Sie annehmen." Im Mobbing­fall sollte man sich „sofort an den Administrator des Netzwerkes wenden", sagt „klicksafe"-Exper­tin Gundrun Melzer. Virtuelle Netzwerke haben meist auch ei­nen Meldebutton. Dort können Sie beleidigende Einträge oder Fotos sperren lassen. Ein Stalker ist nicht zu bremsen? Erstatten Sie bei der Polizei Anzeige. Mehr Informationen unter mobbing. riet, Rubrik: „Cybermobbing".

 

Gefahr 7: Giga-Facebook-Party

 

Die Situation: Sie planen eine Gartenparty und wollen ein paar Freunde über Facebook einladen. Die Gefahr: Sie fordern verse­hentlich das gesamte Online-Netzwerk zum Kommen auf. Plötzlich stehen 1000 Leute vor Ihrem Haus, und Sie müssen die Polizei rufen, um die Lage wieder in den Griff zu kriegen.

So sichern Sie sich ab: Entfer­nen Sie unter der Rubrik „Veran­staltungen erstellen" unbedingt das voreingestellte Häkchen mit der Option: „Jeder kann die Ver­anstaltung sehen." Und unterbin­den Sie dabei auch zusätzlich die Funktion, mit der Ihre Gäste wie­derum Freunde einladen können.

 

„freundin 20/2011“